Magazine Dezember 2012

Aktuelle Informationen aus der textilen Welt

ACTO e.V. als Initiator

Die künstliche Hornhaut, in der Fachwelt „Keratoprothese" genannt, gibt es als Temporär- oder Dauerimplantat. Das Temporärimplantat TempKPRO dient zur Erstversorgung oder als Übergang bis ein Spenderorgan zur Verfügung steht und befindet sich bereits im praktischen Einsatz.

Als Ausgangsmaterial für das Dauerimplantat TexKPRO, das sich aktuell noch in der klinischen Studie befindet, werden polymere Fasern, konkret: Polyvinylidenfluorid (PVDF)-Filamente, zu extrem feinmaschigen Gestricken verarbeitet. TexKPRO hält somit ein Leben lang. Das Aachener Centrum für Technologietransfer ACTO e. V. hat das Dauerimplantat gemeinsam mit dem deutschen Wollforschungsinstitut (DWI) entwickelt. Neben einem extrem feinen Polyvinylidenfluorid-Faden beinhaltet es als zweite Komponente Silikon. Es werden somit Dehnungseigenschaften erreicht, die dem umliegenden, menschlichen Gewebe nahezu entsprechen. Dies wirkt sich positiv auf den Einwachsprozess des Textilimplantats aus.

Weitere Partner des Aachener Centrums für Technologietransfer ACTO e. V. sind das Universitätsklinikum Aachen, die Augenklinik Köln-Merheim und das Institut für Textiltechnik Aachen (ITA) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) sowie Herr Dr. Joachim Storsberg und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam.

Projekt „ArtCornea®" des Fraunhofer IAP

Dr. Joachim Storsberg steht im Kontext der textilen Hornhaut zudem einem weiteren bedeutenden Projekt vor: ArtCornea®. In diesem ZIM*-Projekt wurden bestehende Probleme konsequent in Angriff genommen. Neben einer Weiterentwicklung von TexKPro, dem Implantat mit textiler Haptik, entstand daraus auch das neue Dauerimplantat ArtCornea®.

Die Integration in das menschliche Gewebe verläuft mit ArtCornea® noch effizienter – dank einer neuen Beschichtung für die PVFD-Fasern. Denn PVFD reagiert chemisch inert – grundsätzlich eine gute Eigenschaft, allerdings erschwert dies das Anwachsen der Zellen. Deshalb wurde das PVFD-Textil bei Dr. Joachim Storsberg am Fraunhofer IAP mit einer Oberflächenmodifikation versehen.

Im Gegensatz zu TexKpro fand bei ArtCornea® ein Hydrogelmaterial Verwendung, das jedoch ähnlich wie bei TexKPro mit einem reaktiven Molekül beschichtet wurde. Dr. Storsberg nennt weitere Vorteile der textilen Innovation und der ArtCornea®: „Die textile Haptik ist vorteilhaft, denn sie kann mechanische Kräfte besser aufnehmen und verteilen. Bei der ArtCornea ist das Material auch etwas weicher. Dadurch lässt sie sich gut verankern und zeigt eine gute Gewebeintegration."

Partner des Fraunhofer IAP ist bei ArtCornea® neben ACTO und der Augenklinik Köln-Merheim die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

*ZIM = Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand, eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie

Gute Erfahrungen, dringender Bedarf

Mehreren Patienten, die menschliche Spenderhornhäute abgestoßen hatten, wurden 2009 speziell entwickelte Keratoprothesen implantiert. Bis heute sind keinerlei Komplikationen aufgetreten. Ein Grund, Zuversicht zu fassen – für weltweit 39,8 Mio. blinde und 285,3 Mio. sehbehinderte Menschen. Während sie in den Industrienationen häufig gut integriert sind, auch in puncto Ausbildung und Beruf, stellt sich die Situation im globalen Durchschnitt leider völlig anders dar. 90 % der blinden Kinder weltweit bleibt ein Schulbesuch verwehrt. 80 % der betroffenen Erwachsenen sind wegen mangelnder Ausbildungsmöglichkeiten arbeitslos.

Vielen von ihnen könnte in naher Zukunft geholfen werden, wenn die textile Augenhornhaut sich weiterhin bewährt, wirtschaftlich realisierbar wird und weltweit Anwendung findet.

Neben den passenden Produkten zur Herstellung von Polyvinylidenfluorid-Filamenten hat Groz-Beckert im Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) die idealen Rahmenbedingungen, um gemeinsam mit Partnern Themen wie die textile Hornhaut erfolgreich zur Praxisreife zu bringen. Die TEZ-Experten freuen sich auf den Dialog mit Ihnen.Für die Bereitstellung von Bild- und Informationsmaterial bedankt sich Groz-Beckert bei: © ZIM Projekt ArtCornea: ACTO e.V., Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam und Schmidt Intraocularlinsen GmbH, Herr Prof. Dr. Norbert Schrage, Herr Dr. Joachim Storsberg, Herr Dr. Arthur Messner.

Das Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ)

Im TEZ gestaltet Groz-Beckert gemeinsam mit Maschinenbauern, Anwendern, Textilherstellern und Instituten die textile Zukunft.

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