Magazine Dezember 2013

Aktuelle Informationen aus der textilen Welt

Textilien sind Architektur-Wegbereiter

Der Bausektor ist derzeit im Umbruch: Die Anforderungen an Formen, Eigenschaften und Möglichkeiten moderner Gebäude wachsen immer weiter, und sie können oft genug durch die Impulse aus der Textilindustrie realisiert werden. Denn die klassischen Baustoffe Holz, Stein, Beton und Stahl finden in Textilien dank neuartiger Fasern und deren Verarbeitungsmethoden ideale Ergänzungen für Projekte, die vor wenigen Jahren auf Grund nicht existierender geeigneter Materialien noch nicht umsetzbar waren.

Faser-Technologie ermöglicht Fortschritt am Bau

Dass textiles Bauen erst in den vergangenen Jahrzehnten wirklich Fahrt aufnimmt, ist vor allem der Faser-Technologie geschuldet: Zwar ist seit Urzeiten das Zelt ein Mittel, um sich vor der Witterung zu schützen. Doch die Grenzen für diese Art von Schutz waren immer wieder durch die Verfügbarkeit haltbarer Fasern für Gewebe oder Vliesstoffe gesetzt. Pflanzen- oder Wollfasern sind nicht resistent genug gegen Witterungseinflüsse oder Zugkräfte, um ausreichend lang haltbare Bauten daraus zu konstruieren. Mangelnde Wasserfestigkeit, aber auch der Einfluss der natürlichen UV-Strahlung bilden hier eine Schwierigkeit.

Die Balance aus Festigkeit und Eigengewicht einer Faser war beim textilen Bauen immer wieder eine natürliche Grenze fürs Machbare: Denn um eine Zeltbahn sicher fixieren zu können, bedarf es ausreichend stabiler Gestänge und Verzurrungen. Um große Zeltbahnen aus Naturfaser ausreichend stabil für ihre Verzurrung auszulegen, muss die Gewebestärke wachsen, was jedoch mehr Gewicht und damit mehr Last für die Tragkonstruktion mit sich bringt.

Mehr Stabilität und Leichtigkeit

Erst mit der Entwicklung geeigneter Kunstfasern mit hoher Zugfestigkeit bei geringem Eigengewicht wurden Gebäude mit entscheidenden textilen Elementen interessant: Imposante Bauten wie die Überdachungen aus Hightech-Membranen für Fußballstadien sind gängige Beispiele aus der heutigen Zeit. Die Lebensdauer solcher Membranen ist jedoch nach wie vor begrenzt: Etwa 30 Jahre lang halten sie Wettereinflüssen stand, dann müssen sie erneuert werden.

Eingesetzt werden im hochwertigen Bereich zum Beispiel Glasfasergewebe mit einer PTFE-Beschichtung – im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Schutzschicht aus Polytetrafluorethylen als Teflon bezeichnet. Auch Silikonbeschichtungen werden zum Schutz der Fasern verwendet. Einfachere Membrane bestehen meist aus Polyester mit einer PVC-Beschichtung.

Durable Nonwovens auf dem Vormarsch

Textile Membranelemente des Suvarnabhumi Airport, Bangkok, Thailand

Während in der jüngeren Vergangenheit hauptsächlich Gewebe eine Rolle im Bausektor gespielt haben, wächst seit einigen Jahren aber auch die Bedeutung von Nonwovens: Die sogenannten „Durable Nonwovens" profitieren von Neuentwicklungen aus der Faserforschung. Islands-in-the-Sea-Fasern, die mechanisch durch Wasserstrahlverfestigung, Vernadelung oder einer Kombination aus diesen Verfahren verarbeitet wurden, erhalten Eigenschaften, die diese Materialien zum Beispiel für den Einsatz als Zeltstoff verwendbar machen. Genutzt werden solche Nonwovens-Zeltbahnen bereits im militärischen Sektor. Aber auch als Alternative zu Geweben beim Bau von Leicht- und Industriehallen haben die Nonwovens aus Islands-in-the-Sea Fasern durchaus Potenzial.

Vliesstoffe boomen am Bau

Neben dem zukünftigen Einsatz von Durable Nonwovens bieten Vliesstoffe aber bereits heute vielfältige Möglichkeiten im textilen Bauen. So bildet die Bauindustrie bereits heute den zweitwichtigsten Absatzmarkt für Vliesstoffe nach dem Markt für Wischtücher. Polyestervliese sind hier die wesentlichen Umsatzträger: Sie ersetzen das Ausschäumen von Hohlräumen in Alt- und Neubauten und sind ideale Baustoffe für die Einhaltung von immer strengeren Richtlinien zur Wärmedämmung und Schallisolation. Denn sie lassen sich einfach und schnell verarbeiten, passen sich Konturen leicht an, sind ein guter Dämmstoff, ersetzen Putz und überbrücken Risse. Der große Vorteil der Polyestervliese liegt in ihrer Resistenz gegen Umwelteinflüsse und deren Folgen, zum Beispiel dem Befall mit Schimmel oder Mehltau. Zudem sind sie gut recycelbar.

Dämmlage aus Vlies zwischen zwei Mauerschichten

Architektur-Zukunft smarte Textilien

Mit der Anwendung von Vliesstoffen als Dämmmaterial oder als robuste und doch leichte Lösungen für Überdachungen sind die Möglichkeiten moderner Bautextilien noch lange nicht ausgeschöpft: Ein weiterer denkbarer Weg im textilen Bauen ist zum Beispiel der Einsatz smarter Textilien. Integrierte Leiterbahnen, die auf Licht, mechanische Belastung oder eindringende Feuchtigkeit reagieren, eröffnen viele Möglichkeiten für die Zukunft. Sicherheitsaspekte könnten damit ebenso abgedeckt werden wie Komfortbedürfnisse.

Dies sind Beispiele für bereits heute übliche Einsatzfelder von Vliesstoffen im Bereich textiles Bauen:

AnwendungProduktaufbauVerwendungWoEigenschaften
MilitärzeltWasserstrahlverfestigter Vliesstoff
PA-Mikrofasern
MilitärAußenbereich, sichtbarReißfest, schwer entflammbar, atmungsaktiv, wasserresistent
Befestigungswälle für Militärzwecke; Flut- und ErosionsschutzwälleVernadelter Stapelfaservliesstoff
200 - 400 g/m2
Militär- und ZivilanwendungAußenbereich, sichtbarReißfest, dimensionsstabil, witterungsbeständig, UV-beständig, korrosionsresistent
Abdichtung von Wänden in Bauwerken, Verhinderung von Durchnässung und SchimmelDreilagiger Verbundstoff aus PP-Fasern, Decklagen sind vernadelt; Produktgewichte 100 - 1.500 g/m2Wand, MauerAußenbereich, nicht sichtbarHohe Durchlässigkeit, einfache Handhabung, Verrottungssicherheit, Beständigkeit gegenüber natürlichen Substanzen und Organismen
Unterspann-, Unterdeck-, Fassaden- sowie Dampfbremsbahnen100 - 200 g /m2DachZwischenbereich, nicht sichtbarUV-beständig, dampfdurchlässig, wasserführend, alterungsbeständig
IsolationsvliesstoffThermisch gebundenes Dämmvlies, zu 100% aus Polyesterfasern; die Raumgewichte betragen 15, 20 und 40 kg/m3Wand, MauerInnenbereich, nicht sichtbarThermische Isolationseigenschaften, exzellente akustische Eigenschaften
Bitumen-DachbahnenPET-Spinnvlies, vernadelt und thermofixiertDachZwischenbereich, nicht sichtbarFeuchtigkeitsbarriere, dennoch luftdurchlässig; widerstandsfähig gegen Schimmel und Mehltau; form- und temperaturstabil, ermüdungsfest, stoß- und stichfest
Renovierungsvlies für Innen- und AußenbereichFine Denier Polyester-Spinnvliesstoff, Feinfaser: 1 - 4 dtex, Gewicht: 25 - 200 g/m2Wand, MauerInnen- und Außenbereich, nicht sichtbarBruchfest, knickfest, angenehmes und hautfreundliches Verarbeiten
Textiles Konzept für Vorhänge, Jalousien, Verdunkelungen für innenliegenden SonnenschutzKombination aus Vernadelung und Wasserstrahlverfestigung, Mikrofasern (PA/PET)EinrichtungInnenbereich, sichtbarHoher UV-Schutz, geräuschdämmende Eigenschaften, einfache Verarbeitung, kein Ausfransen, waschbar
PVC-freie TapeteKombination aus Vernadelung und Wasserstrahlverfestigung, Mikrofasern (PA/PET)EinrichtungInnenbereich, sichtbarAbriebbeständig, zugfest, schmutzresistent, brillante Farben, hochauflösende Qualität dank Kompatibilität mit vielen Drucktechnologien, Kaschierung von Wandunebenheiten
MalerabdeckvliesMehrfach vernadeltes, mit Schmelzfasern eingelassenes, thermisch fixiertes Recyclingfaservlies, auf das vollflächig eine PE-Neufolie aufkaschiert ist. Ca. 300 g/m2HilfsmittelInnenbereich, sichtbar
Abriebfest, sicher, saugstark, lösemittelbeständig, Made in Germany
Jalousien aus Flachsfasern, auf Vliesstoffen basierendFlachsfasern, wasserstrahlverfestigtEinrichtungInnenbereich, sichtbarNatürliche UV-Beständigkeit, positive Ökobilanz, sehr gute kühlende Wirkung
Textile Außentapeten für dauerhafte Fassadensanierungen, Schallabsorption und WärmeschutzVernadelte RecyclingfasernWand, MauernAußenbereich, sichtbarWitterungs- und Temperaturbeständigkeit, geringe Wärmeleitfähigkeit, Schwerentflammbarkeit, für Allergiker geeignet, da kein Befall durch Motten, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze
Schutz-, Filter-, DrainfunktionVernadelte PE-Fasern, 150 - 2.000 g / m2, RollenwareTerrassen, Balkone, Decken, TunnelsAußenbereich, nicht sichtbarUnverrottbar, alterungsbeständig, feuchtigkeitsunempfindlich, chemisch beständig, keine Schimmelbildung