Magazine März 2017

Die Textile Welt im Blick: Von SVL bis Service

Von der Vision zur Aktion: die SVL als Ressource

Als Entwicklungspartner erweitert Groz-Beckert mit dieser neuen Anlage sein Serviceangebot im Bereich der Anwendungsberatung und Kundenprojekte. Die Anlage steht Kunden und Partnern für Versuche und gemeinsame Projekte, sowohl im Bereich der Nadelentwicklung als auch der Textilentwicklung, in verschiedenen Varianten zur Verfügung. Durch den internen, eigenen Aufbau von Prozesswissen bei Groz-Beckert profitieren Kunden gleichzeitig von verbesserter Beratung und optimierten Produkten. Auch die Optimierung von Kundenprodukten und -prozessen liegen im Fokus. Des Weiteren bietet die neue Linie Kunden die Möglichkeit, diese für Produktentwicklungen und Versuchsdurchführungen zu nutzen und somit Ressourcenengpässe und Produktionsstillstände auf den eigenen Linien zu vermeiden.

Anfang 2015 fiel der Startschuss für die Anschaffung der Anlage, und bereits ein Jahr später wurden die ersten Anlagenkomponenten angeliefert. Seit dem Sommer 2016 liefen die Inbetriebnahme der Anlage sowie die technische Abnahme aller neuen Anlagenkomponenten. Nun steht die gesamte Anlage im Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) am Stammsitz in Albstadt, Deutschland, uneingeschränkt für Kundenversuche und Entwicklungsprojekte zur Verfügung.

Vom Faserballen zum gleichmäßig vernadelten Vliesstoff

Zukünftig können im Technikumsmaßstab Filze mit einem Flächengewicht von 50 bis 1.500 g/m² und bis zu einer Breite von 1.500 mm hergestellt werden. Verarbeitet werden können sowohl synthetische Fasern wie Polypropylen (PP), Polyester (PES) und Polyamid (PA) als auch regenerierte Fasern, wie Viskose (CV) und Naturfasern, hochfeste sowie anorganische Fasern. Die Hauptanwendungen sind für ein Feinheitsspektrum von 0,9 bis 17 dtex mit einer Faserlänge von maximal 90 mm ausgelegt. Die Verarbeitung von Grobfasern ist jedoch mit Einschränkungen möglich. Bei einer Polyestermischung mit 6,7 dtex leistet die Anlage beispielsweise einen Durchsatz von bis zu 400 kg/Stunde.

Blick ins Kompetenzzentrum Vliesstofftechnik

Die Faseröffnung besteht aus zwei Ballenöffnern (Baltromix der Firma Dilo Temafa) für eine schonende Öffnung, einem Mischband, einem Krempelwolf für Groböffnung und -kardierung, einer Schmälzeinrichtung zur Verringerung der Faser/Metall-Reibung und Beibehaltung der Faser/Faser-Reibung und einem Großraummischer. Mit dieser Konfiguration sind Mischungen unterschiedlicher Fasertypen, -querschnitte, -feinheiten, -längen und Farben möglich.

Die Krempelspeisung erfolgt über den Dosieröffner DON und einen MultiFeed MFC (Dilo Spinnbau) und sorgt für eine hohe Gleichmäßigkeit der Flockenmatte in Quer- und Längsprofil. Die Krempelanlage MultiCard MC 3-5 CC (Dilo Spinnbau) mit einer Arbeitsbreite von 1.500 mm parallelisiert die Fasern und bildet den Faserflor. Ausgestattet ist die Krempel mit einem Flächengewichtsreguliersystem und einem Doppelabnehmer mit Stauchwalzen.

Ballenöffner, DON, Krempelspeisung

Sämtliche Walzen der Krempel sind mit Garnituren von Groz-Beckert ausgestattet, die seit Mai 2015 gemeinsam mit Dienstleistungen und Zubehör für die Spinnerei- und Nonwovens-Industrie im Produktportfolio des Produktbereiches Carding geführt werden. Dadurch ist es Groz-Beckert möglich, als weltweit einziger Hersteller für Filznadeln und Garnituren, Synergieeffekte zu nutzen, Prozessabhängigkeiten zu verstehen und somit die Produkte optimal aufeinander abzustimmen, wovon vor allen Dingen Sie als Kunde profitieren.

Krempel, Kreuzleger, Vliesstrecke, Vorvernadelung

Mit einer maximalen Einlaufgeschwindigkeit von 80 m/min doubliert der Kreuzleger (DiloLayer DLBS 15/20 von Dilo Machines) den Flor auf bis zu 2.000 mm Breite verzugsfrei.

Die Vliesstrecke (VST 19 von Dilo Spinnbau) kann den Faserflor verstrecken, um bereits an diesem Verarbeitungspunkt die Reißfestigkeitsverhältnisse des späteren Vliesproduktes zu beeinflussen. Desweiteren bietet sie einen Zuführpunkt für weitere Materialien.
Im Anschluss an die Vliesstrecke befindet sich ein weiteres Zuführsystem für dimensionsstabile und verzugsfreie Zuführung, gefolgt von der Vorvernadelung (DI-LOOM OD-II 20 von Dilo Machines) mit einer maximalen Arbeitsbreite von 2.000 mm und zwei Vernadelungszonen mit einer Teilung von 4.500 Nadeln/m. Darüber hinaus verfügt die Vorvernadelungsmaschine über eine Absaugvorrichtung aus dem Innenraum, die bei der Verarbeitung von Naturfasern eine wichtige Rolle spielt.

Hauptvernadelung

Den Abschluss der Anlage bildet die Hauptvernadelung (DI-LOOM OUG-II SB 15) mit integriertem Zuführsystem und Aufwickler. Die maximale Arbeitsbreite liegt hier bei 1.500 mm. Mit einer Teilung von 2.000 Nadeln/m können die vier Vernadelungszonen im Ein- oder Zweibrettbetrieb von oben oder als Tandem genutzt werden. Die Teilungen 3.000, 5.000 und 8.000 Nadeln/m ermöglichen einen Mehrfachbetrieb von oben und unten. Weitere Teilungen auf Anfrage.

Für die Herstellung von Endlosfilzen steht optional ein Spannrahmen zur Verfügung.

Nutzungsvarianten der Stapelfaservernadelungslinie

Mit einem Produktportfolio von mehr als 1.200 aktiven Nadeltypen bietet Groz-Beckert vielfältige Möglichkeiten für Nonwovens-Hersteller, ihre Produkte zum Beispiel in den Segmenten Automobil, Filtration, Geotextilien und Syntheseleder weiter zu optimieren beziehungsweise neue Produkte zu entwickeln. Optimierungspotenziale gehen in Richtung Oberflächenverbesserung, Erhöhung der Reißfestigkeiten (textil-physikalische Eigenschaften), Einsparung von Fasermaterial und generell der Verbesserung des Produktionsprozesses.

Groz-Beckert bietet seinen Kunden künftig mit der neuen Linie vier Nutzungsvarianten:

Vom Faserballen bis zur Hauptvernadelung können hier alle Anlagenkomponenten (Faseröffnung, Krempel, Kreuzleger, Vliesstrecke, Vor- und Hauptvernadelung) genutzt werden.

Um zum Beispiel Versuche der Reißfestigkeitsverhältnisse durchzuführen, wird in dieser Variante das (Vor-)Vlies ab der Vliesstrecke zugeführt, bevor es anschließend den Vernadelungszonen vorgelegt wird.

Nach Anlieferung eines (Vor-)Vlieses kann dieses vor- und hauptvernadelt werden.

Diese Variante beinhaltet Vernadelungsversuche auf der DI-LOOM OUG-II SB 15 mit bereits vorverdichtetem Vlies.

Begleitend zu den Nutzungsvarianten bietet Groz-Beckert produktionsbegleitende Prüfungen an: Sowohl Dichte, Dicke und Flächengewicht als auch Luftdurchlässigkeit, Reißfestigkeit und das Vliesprofil können direkt im Kompetenzzentrum Vliesstofftechnik geprüft werden, um schnell auf Produktionsparameter eingehen und diese gegebenenfalls auch anpassen zu können. Für Geotextilien kann beispielsweise auch die Stempeldurchdrückkraft von Vliesstoffen ermittelt werden.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, das Technikum nach Kundenwunsch zu klimatisieren, um zum Beispiel die Klimabedingungen des Produktionswerks zu simulieren.

Darüber hinaus können zusätzliche textile und/oder metallurgische Prüfungen im Haus durchgeführt werden. Kurze Wege ermöglichen schnelle Reaktionszeiten, fachübergreifende Kompetenzen und Synergieeffekte innerhalb des Technologie- und Entwicklungszentrums (TEZ). Wie bei allen Angeboten im TEZ bietet Groz-Beckert mit den vier Nutzungsvarianten neben den Dienst- und Serviceleistungen auch die Optionen des Co-Developments und der Co-Innovation. Zudem wird das Schulungsprogramm der Groz-Beckert Academy zur Aus- und Weiterbildung von Kunden und Mitarbeitern im Rahmen der neuen Stapelfaservernadelungslinie ausgebaut, um Schulungen für den umfassenden Gesamtprozess anbieten zu können.

Weitere technische Details und eine Animation „von der Faser zum Vliesstoff“ finden Sie in der Mediathek auf der Groz-Beckert Homepage und in der App „myGrozBeckert“.

Sie möchten sich intensiver mit der Vernadelung von Fasern oder Vliesstoffen befassen oder benötigen Rat bei der Optimierung der Produktion von Nonwovens oder der Erweiterung Ihres Produktportfolios? Die Groz-Beckert Experten der Bereiche Felting, Carding und TEZ helfen Ihnen gerne weiter und ermitteln gemeinsam mit Ihnen die ideale Auslegung Ihrer Fertigung.

Der Gesamtbedarf an Groz-Beckert Produkten in der neuen Stapelfaservernadelungslinie (SVL) besteht aus ca. 60.000 Filznadeln und 40 km Garnituren. Das entspricht einem Gewicht von ca. 860 kg – und damit dem Durchschnittsgewicht eines ausgewachsenen Stiers.