Magazine September 2012

Aktuelle Informationen aus der textilen Welt

Der schnelle Weg zum Prototypen

Über den koreanischen Dessous-Markt, das Unternehmen Namyeung und das TEZ

Dass ein hoher Anspruch und innovative Ideen keine Domäne westlicher Unternehmen sind, beweist die südkoreanische Namyeung-Gruppe, die sich auf die Herstellung von Dessous, Damenunterbekleidung und Formwäsche spezialisiert hat, bereits seit 1954. Dieser Artikel informiert Sie über den koreanischen Dessous-Markt und über die Erfolgsfaktoren. Außerdem erfahren Sie Näheres über die erfolgreiche Zusammenarbeit Namyeungs mit dem Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ).

Namyeung, Vivien und der koreanische Dessous-Markt

Die Geschichte von Namyeung begann im Jahr 1954 mit der Gründung der Handelsgesellschaft „Namyeung Industrial Co., Ltd“. Im Jahr 1957 gewann das Unternehmen dann nach und nach an Bedeutung auf dem inländischen Markt für Dessous und Strümpfe. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch Vivien, Koreas derzeit führende Dessous-Marke. 1995 gelang es dem Unternehmen, den Überseemarkt zu erschließen und sich mit der neuen Handelsgesellschaft „Vivien International“ auf dem amerikanischen Markt zu positionieren. Mit seinem Angebot an hochwertigen Dessous und Strumpfmode zu konkurrenzfähigen Preisen und dank des globalisierten Vertriebsnetzes konnte Namyeung schnell in den gesamten Weltmarkt vordringen.

Der Ehrenvorsitzende, Herr Sang-Soo Nam, gehört zur ersten koreanischen Handelsgeneration, die den Weg für den Überseemarkt ebnete. Seit über 35 Jahren ist Sang-Soo Nam Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der Korea Foreign Trade Association. In dieser Funktion legte er auch den Grundstein für den Handel bzw. den Dessous-Markt in Korea.

Namyeung und der Schlüssel zum Erfolg

Namyeung erkannte schon früh die Bedeutung des Markenimages und nutzte Highend-Marketingstrategien, um „Vivien“ von anderen Marken abzugrenzen. Zur gleichen Zeit begann das Unternehmen die Vertriebskanäle zu reformieren: Anstatt den Einzelhandel leichtfertig auszubauen, wurden bestehende Ladengeschäfte gebündelt – und in das Geschäft mit der höchsten Wettbewerbsfähigkeit im relevanten Absatzgebiet integriert. Diese Strategie ist auch unter dem Namen „Scrap & Build“ bekannt. Insbesondere im Fall der Kernmarke „Vivien“ konnte die Anzahl der Geschäfte auf diese Weise von 2.000 auf 300 gesenkt werden. Durch die Umstrukturierung konnten zum Beispiel die Fixkosten für Werbung und Beschaffung reduziert werden, was dem Unternehmen weitere Vorteile gegenüber Wettbewerbern eröffnete.

Auf dieser Basis führte Namyeung eine neue Marke namens „DE L‘OR“ ein, die sich an große Discounter richtete, und verstärkte die Markenabgrenzung noch mehr, indem Handelszentren die Marke „DE L‘OR“ zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten wurde. Parallel wurde die bewährte Strategie von „Vivien“ weiterhin bei Kaufhäusern sowie eigenen Fachgeschäften angewendet. Dadurch konnten am Ende beide Marken die besten Ergebnisse erzielen.

Viviens Zielgruppe umfasst Damen mit einem Alter von 20 bis Ende 50, die innerhalb ihrer Altersgruppe einen besonderen Geschmack zeigen. Dieser Ausrichtung folgend, führte Namyeung Ende 2000 neue Marken ein: z.B. „Blue vivi“ für Frauen mit einem Alter von 20-30 Jahren und „Noblelinge“ für Frauen von 50-60. Mit seiner Eigenmarke „Gentoff“ konnte sich das Unternehmen zudem sogar auf dem Markt der Herrenunterwäsche etablieren. Auch die Marke „Barbara of France“ gehört heute zu Namyeung.

Lange Zeit wurde Unterwäsche nur als alltägliche Notwendigkeit gesehen. Die Konsumenten hatten nichts auszusetzen, solange sie einfach nur passte. Namyeung unterstrich jedoch schon früh weitaus höhere Ansprüche. Gemäß dem Unternehmen kann und soll Unterwäsche ebenso multifunktional und attraktiv sein wie Außenbekleidung! In der Produktlinie, die seit einigen Jahrzehnten eine große Rolle beim Ausbau des koreanischen Unterwäsche-Markts spielt, spiegeln sich topaktuelle Designs wider.

Namyeung und Internationalität

Um ein wettbewerbsfähiges Preisniveau und eine reibungslose Belieferung sicherzustellen, baute die Namyeung-Gruppe internationale Produktionsstätten auf, die heute in Summe 4.000 lokale Mitarbeiter beschäftigen. Die erste wurde im Jahr 1989 unter dem Namen „PT Namnam Fashion Industries“ in Bandung, Indonesien, errichtet und zählt derzeit mit 2.700 Mitarbeitern, einer maximalen Produktionskapazität von 14 Millionen Stück sowie einem Umsatz von 43 Millionen USD zu den größten Produktionsanlagen Indonesiens. Derzeit werden am Standort drei Werke mit 75 Fließbändern geführt. Darüber hinaus errichtete die indonesische Tochtergesellschaft mit dem Ziel einer zügigen Materialversorgung ein vertikales System in Kooperation mit PT Namyeung Knitting und PT Old & New Hybridtech. 2009 sicherte sich die Tochtergesellschaft die internationale Zertifizierung nach WRAP (Worldwide Responsible Production).

Die zweite lokale Produktionsstätte, Qingdao Nannan Co., Ltd., wurde 1992 in China errichtet und spezialisiert sich seither auf die Herstellung von Strümpfen und Coregarn. Auch sie verfügt über ein vertikales System, unter anderem mit 300 Feinstrumpfmaschinen und 110 Maschinen für Deckgarn. Jährlich werden 2,4 Millionen Dutzend Strümpfe sowie 400 Tonnen Garn produziert. 2009 erhielt die Anlage die Zertifizierung nach ISO 9001 und 14001, nachdem der Oeko-Tex® Standard 100 bereits 2006 erreicht wurde.

Die dritte Produktionsstätte wurde erst kürzlich im Jahr 2011 im chinesischen Quindao errichtet und trägt den Namen „Qingdao Namchen Body Fashion Co., Ltd.“. Vor Ort befinden sich 25 Fließbänder, die 4,5 Millionen Dessous produzieren und den Überseemarkt bedienen, sowie ein eigenes Design-Studio.

Vor rund zehn Jahren entwickelte Namyeung eine elastische Schaumstoffeinlage, die zu einem zentralen Produkt auf dem Dessous-Markt wurde. Dieses und weitere Erzeugnisse beliefert Namyeung mit großem Erfolg auch an den amerikanischen, europäischen und japanischen Markt. Unter den Abnehmern befindet sich auch die US-amerikanische Top-Marke „Victoria´s Secret". Darüber hinaus ist Namyeung Inhaber der Marke „Barbara of France."

Namyeung und das TEZ

Innovation nimmt in der Unternehmensgeschichte Namyeungs eine entscheidende Rolle ein – und genauso mit Hinblick auf die Zukunft. Hier kommen Groz-Beckert und das Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) ins Spiel. Christopher Moon, Vice Chairman bei Namyeung Ind. Co. Ltd., äußert sich über seine bisherigen Erfahrungen hochzufrieden:

„Die langjährige erfolgreiche Partnerschaft mit Groz-Beckert spornte uns an, unsere Marktstellung weiter durch Innovation zu verbessern. Bei der Lokalisierung eines neuen, noch effektiveren Herstellverfahrens für Damenbekleidung haben wir deshalb Groz-Beckert eingebunden. Wir erhielten ein Angebot vom Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) und konnten so frühzeitig Hilfe in Anspruch nehmen. Es war uns ein Vergnügen, mit dem TEZ zusammenzuarbeiten, das eine große Auswahl an Experten, Equipment und Prüfeinrichtungen aus einer Hand bietet. Dank der Unterstützung und Effizienz des TEZ war es uns möglich, den ersten Prototypen eines neuen Büstenhalters in Rekordzeit zu produzieren. Namyeung hofft, seinen Anteil am globalen Dessous-Markt auszuweiten und auch seine Umsätze zu steigern, sobald dieses neue und innovative Produkt erst einmal entwickelt ist. Ich möchte mich sehr herzlich bei Groz-Beckert und seinem kompetenten Team bedanken!“