Magazine Dezember 2013

Aktuelle Informationen aus der textilen Welt

Kühler Kopf und warme Füße dank Smart Textiles

Smart Textiles – intelligente Textilien – stehen für eine Vielzahl angenehmer Funktionen, Spielereien, Lebensrettendes. Oft sind sie in der Lage, je nach Bedingung Eigenschaften zu verändern. Mit Smartphone, Bluetooth & Co finden zunehmend auch Kombinationen aus Elektronik und Textil ihren Weg in den Alltag. Speziell in der kalten Jahreszeit aber denkt man bei Smart Textiles besonders gerne an beheizbare Unterwäsche. Die warmX GmbH bietet die entsprechenden Produkte. Geschäftsführer Herr Gerald Rosner verrät im Interview Näheres!

Über strickchic und warmX

Wer die Sitzheizung im Auto kennt, wird sie nicht mehr missen wollen. Wie sieht es aber bei Kleidung aus? Kleidung, die den Körper direkt auf der Haut wärmt? Neben dem modischen Aspekt ist vor allem die Alltagstauglichkeit eine Herausforderung. Ein beheizbares Kleidungsstück muss trotz Elektronik problemlos waschbar und als Unterwäsche auch dehnbar sein. Eine ungefährliche, intelligente Wärmequelle wird benötigt.

Beheizbare Unterwäsche für die kalte Jahreszeit, die diesen Herausforderungen gerecht wird – unterteilt in die Artikelgruppen „Wellness", „Reiten, „Jagen" und „Motorrad" – bietet die warmX GmbH. Sie ist ein Schwesterunternehmen des 1896 gegründeten Modeherstellers strickchic, der in Apolda, Deutschland, modische Strickware produziert. Herr Gerald Rosner übernahm die Geschäftsführung 1990 in vierter Generation und ist in dieser Position für beide Unternehmen tätig. Bei warmX fungiert darüber hinaus Herr Christoph Müller als Geschäftsführer.

Interview mit Herrn Rosner, warmX GmbH

Wie das Smart Textile „warmX" entwickelt wurde und funktioniert, darüber informiert Herr Gerald Rosner im folgenden Interview.

warmX – von der Idee zur Technologie

Herr Rosner, wie entstand die Idee zu warmX?

Bereits 2004 stieß ich auf einen versilberten Polyamidfaden. Erste Strickversuche waren sehr positiv – und mit einer Stromquelle wurde das Gestrick warm. Welcher stricktechnische und elektronische Aufwand notwendig ist, um aus diesem ersten Versuch ein marktfähiges Produkt werden zu lassen, hat sich dann erst während der Produktentwicklung herausgestellt.


Wie funktioniert die beheizbare Unterwäsche warmX – und wie haben Sie die Frage der Pflegeleichtigkeit und Dehnbarkeit gelöst?

Mit der warmX Technologie ist es erstmals gelungen, ein Gestrick sich selbst erwärmen zu lassen – ohne Heizdrähte, Gelpacks oder ähnliche Hilfsmittel. Bei warmX handelt es sich um Maschenware, bei der mit Silberionen beschichtete Polyamidfäden gleich in die Unterwäsche eingestrickt werden. Dadurch ist das Kleidungsstück dünn, angenehm zu tragen und dehnbar. Außer der Leitfähigkeit hat Silber ja etliche positive Trageeigenschaften und eine antibakterielle Wirkung.

In den Heizzonen ist der Silberfaden nicht in jeder Reihe verstrickt. Das erhöht den elektrischen Widerstand, wodurch sich die Heizzonen erwärmen – direkt auf der Haut. Mit Energie versorgt wird das Heiztextil von einem Controller, der in einer Seitentasche Platz findet und mit Druckknöpfen den Stromkreislauf schließt.

Da keine Drähte verwendet wurden und sich der Akku durch die Druckknöpfe problemlos vom Kleidungsstück trennen lässt, kann es bedenkenlos bei 30 °C mit Wollwaschmittel in der Waschmaschine gereinigt werden. Ausgiebige Versuche haben unter anderem belegt, dass auch nach vielfachem Waschen die Leitfähigkeit erhalten bleibt.

warmX – patentierte Energieversorgung

Was dient als Stromquelle?

Die Elektronik habe ich selbst entwickelt – schon als Kind hat mich alles fasziniert, was mit Elektronik zusammenhängt, später habe ich in Chemnitz technische Kybernetik studiert. Als Energiequelle werden Li-ION-Akkus verwendet. Zusammen mit einer befreundeten Jenaer Elektronikfirma haben wir das Produkt zur Serienreife gebracht. Der prozessorgesteuerte Controller kontrolliert den Widerstandswert im Stromkreis und regelt die Heizleistung. Überschreitet der Widerstandswert gewisse Grenzen, wird der Strom automatisch abgeschaltet. Außerdem kontrolliert der Rechner im Hintergrund aus Sicherheitsgründen noch einige andere Daten und passt – für den Nutzer unbemerkt – die Heizung an die unterschiedlichsten Bedingungen an. Einstellbar sind drei Heizstufen. Je nach Heizstufe hält der Akku zwischen 3,5 und 6 Stunden und kann am Stromnetz oder an einer 12V-Stromquelle aufgeladen werden.

Die besondere Stromversorgung, die eine nicht isolierte Heizung auch bei Feuchtigkeit ermöglicht, konnten wir in vielen Ländern mit einem Patent sichern.

Neben einem wirklich nützlichen Kleidungsstück haben wir mit der beheizbaren Unterwäsche auch den weltweit ersten – wirklich in größeren Stückzahlen hergestellten und auch verkauften – textilen Stromkreis in einem Kleidungsstück realisiert. Dies war nur möglich durch den Einsatz moderner Rechentechnik im Miniatur-Format, die der Stabilisierung des an sich flexiblen Stromkreises dient. Ein Blick durch das halbdurchsichtige Gehäuse des Mini-Power-Controllers lässt erahnen, was dieses kleine Gerät außer einem Akku noch alles beherbergt.

warmX – die Zielgruppen

Wer kauft warmX?

Bei der Entwicklung dachten wir vor allem an Menschen, die viel Zeit in kälterer Umgebung verbringen, sich aber nicht ständig bewegen, wie zum Beispiel Jäger, Menschen im Rollstuhl, Motorradfahrer, Wintersportler, Reiter. Denn besonders hier ist die richtige Ausrüstung für das Wohlbefinden unverzichtbar. Inzwischen wissen wir aber, dass warmX auch in modischer Hinsicht gut ankommt und auch in anderen Bereichen verwendet wird.

Ein weiterer Kundenkreis schätzt unser Produkt, weil die Wärme bei Verspannungen und bestimmten Schmerzen angenehm wirkt. Ein immer wichtiger werdender Markt sind Sanitätshäuser. Aus gutem Grund: Denn mit den neuen, patentierten warmX-tights haben wir die erste beheizbare Flachstrick-Strumpfhose der Welt entwickelt. Die Wärmezonen wurden an den Fußoberseiten eingearbeitet. Es überrascht vielleicht, dass sie nicht an der Fußsohle sind. Durch die Hornhautschicht an der Fußsohle wird Wärme von unten erheblich weniger wahrgenommen. An der Fußoberseite befinden sich um ein Vielfaches mehr Kälterezeptoren als an der Unterseite. Eine Wärmequelle ist deshalb an der Oberseite viel deutlicher spürbar.

warmX – ausgezeichnet sicher

Was können Sie zur Sicherheit von warmX sagen?

Um unseren Kunden den Umgang mit der neuen Materie zu erleichtern und zu zeigen, dass es sich bei unserer beheizbaren Unterwäsche um ein voll ausgereiftes Produkt handelt, haben wir sie von einem unabhängigen Forschungsinstitut testen lassen – mit vollem Erfolg, es gab keinerlei Bedenken! Alle, die warme Wäsche schätzen, können bei warmX bedenkenlos zugreifen.

Den Erfolg unseres Produkts belegen neben den zufriedenen Kunden auch diverse Auszeichnungen: Finalist bei den ispo-BrandNew Awards, Gewinner des IF Product Design Award sowie des Gründerpreises „Marktlücke" der Thüringer Staatskanzlei.


Herr Rosner, wir bedanken uns für das Interview! Groz-Beckert freut sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit strickchic und warmX!

Die neue Wärme – auch unter Wasser?

In tiefen Gewässern oder bei entsprechendem Außenklima sind Wassertemperaturen etwas über dem Gefrierpunkt keine Seltenheit. Wer also könnte ein Stück Wärme besser gebrauchen als Berufstaucher? Sie führen nicht nur Wartungs-, Reparatur- oder Bauarbeiten aus. Sie bergen Versunkenes und retten sogar Leben. Im Polizei- und Feuerwehrdienst sind sie ebenso unverzichtbar wie für wissenschaftliche Forschungen. Um ihre Arbeit zu erleichtern, soll die warmX Technologie schon bald auch auf Tauchanzüge ausgeweitet werden. Entsprechend ist die warmX GmbH aktuell auf der Suche nach einem passenden Hersteller, um eine Kooperation zu initiieren.

In welchem Bereich ergibt sich die nächste Anwendung? Es bleibt spannend! Definitiv ist warmX ein glänzendes Beispiel dafür, wie die Textilindustrie mit Smart Textiles das Leben spürbar verbessern kann.

Sie haben Fragen zu Strickmaschinennadeln und Systemteilen zur Produktion von Smart Textiles? Groz-Beckert freut sich auf den Dialog mit Ihnen!