Magazine Dezember 2012

Aktuelle Informationen aus der textilen Welt

Immer besser gemacht: der Wundverband als Ursprung

Wunden möglichst effizient behandeln: Schon in der Frühgeschichte sah der Mensch darin eine wichtige Aufgabe. Um weitergehende Verletzungen und Entzündungen zu vermeiden, wurden Wunden mit Pflanzenblättern, Baumrinde und lehmiger Erde versorgt.

Erste Aufzeichnungen von textilen Wundverbänden stammen aus Ägypten aus der Zeit von 1.500 - 2.000 v. Chr. Konkret beschreibt das medizinische Lexikon „Papyrus Ebers" Behandlungsmöglichkeiten verschiedener Leiden und gibt Anleitungen zur Wundbehandlung mit Verbänden. Während des Mittelalters wurde über einen sehr langen Zeitraum fast ausschließlich mit einer Wundabdeckung aus gezupften Leinenresten gearbeitet. Selbst ausgekocht war dieses Verbandmaterial alles andere als keimfrei und verursachte oft genug schlimme Wundeiterungen.

Erst im 19. Jahrhundert wurde festgestellt, dass sich in der Luft Keime befinden, die diese Wundeiterungen verursachen können. Diese Erkenntnis führte letztendlich dazu, dass alle Wundverbände, wie auch das gesamte Operationsumfeld, von da an desinfiziert wurden.
Die ersten sterilen Verbände wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom amerikanischen Konzern Johnson & Johnson hergestellt.

Kurz- und langfristig: So helfen textile Implantate

Heute gehen medizinische Textilien weit über Wundverbände hinaus. Die verwendeten Materialien und Herstellungsverfahren wurden in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt, sodass technische Textilien sogar als Implantate Verwendung finden. Nonwovens spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Bedarf an textilen Implantaten wird in Zukunft weiter ansteigen.

Eingesetzt werden textilchirurgische Implantate seit den 1950er-Jahren. Damals hatte man erkannt, dass Bindegewebe in der Lage ist, durch poröse, textile Strukturen hindurchzuwachsen. Dies führte zu den ersten Gefäßprothesen, z.B. für die Luftröhre. Als besonders geeignetes Material stellte sich Polyester heraus. Es ist resistent, hat eine hohe Festigkeit und löst weder bekannte Allergien noch Langzeitfolgeschäden aus. Zudem wird Polyester vom menschlichen Organismus nicht abgestoßen.

Bei Implantaten unterscheidet man zwischen temporären und dauerhaften Implantaten:

Das Implantat dient als Stütze für das nachwachsende Gewebe und löst sich im Körper auf oder wird operativ entfernt. Bekanntes Beispiel: Stent. Immer mehr resorbierbare textile Stents werden in der Medizin eingesetzt. Gemäß aktueller Forschungen werden in Zukunft auf einen metallischen Stent fünf textile Stents kommen, nahezu alle resorbierbar.

Bei temporären Implantaten werden aber auch immer häufiger resorbierbare Vliesstoffe eingesetzt, vor allem bei der Wundbehandlung. Exemplarisch zu nennen ist hier die Verwendung von Wundmaterialien aus Seegrasfasern. Seegras hat die Eigenschaft, das Wachstum von Bakterien stark zu verringern. Vliesstoffe aus Seegrasfasern werden in den Körper eingesetzt und dienen hier zur Stärkung, etwa von Muskelgewebe. Das Vlies muss nicht mehr entfernt werden, da der Körper es vollständig absorbiert.

Das Implantat ersetzt das Gewebe auf Dauer. Bekanntes Beispiel: textile Herzklappen. Vliesstoffe kommen auch bei dauerhaften Implantaten zum Einsatz. Unter anderem dienen sie als Grundlage zur Züchtung von Gewebezellen. Auf einem vorgeformten, resorbierbaren Vliesstoff wird ein dreidimensionales Transplantat gezüchtet, beispielsweise zur Nachbildung eines Ohrs oder einer Nase. Vliesstoffe, speziell Spinnvliese, eignen sich hier besonders gut, da sie eine hohe Porosität und keine flachen und konkaven Oberflächen aufweisen.

Heute und morgen: Medizintechnik für den Menschen

Nach einer Prognose der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung Mitte des 21. Jahrhunderts über 9 Milliarden Menschen betragen. Dies – in Verbindung mit einer ansteigenden durchschnittlichen Lebenserwartung sowie einer zunehmend ungesunden Ernährung – stellt die Medizintechnik vor große Herausforderungen. Technische Textilien helfen, um diese kostengünstig und nachhaltig zu lösen. Doch viele Volkskrankheiten, etwa Beschwerden am Herz-Kreislaufsystem, kann der Mensch von vornherein vermeiden bzw. das Risiko deutlich minimieren. Ein bewusster Umgang mit dem Körper und der eigenen Gesundheit reicht dafür oft schon aus.