Magazine Dezember 2017

Die Textile Welt im Blick: Von Kunst bis Kult

Auch heute noch stellt die Bekleidung neben Nahrung und Obdach eines der drei Grundbedürfnisse des Menschen dar. Während sie vor langer Zeit lediglich ein Schutz vor Umwelteinflüssen wie Regen oder Kälte war, so dient Bekleidung heute zudem der Kommunikation, als Schutz vor sonstigen Gefahren oder auch als Mittel zur Selbstdarstellung. Mit der Bekleidung hat sich auch das Nähen und die Nähtechnologie weiterentwickelt. Ohne diese Fortschritte würde es die Bekleidung, wie wir sie heute kennen, nicht geben.

Die Geschichte der Bekleidung

Vor vielen tausend Jahren verlor der Mensch im Laufe der Evolution sein Fell. Dies brachte den Vorteil, die Körpertemperatur besser regulieren zu können, aber auch den Nachteil, den Witterungsbedingungen schutzlos ausgeliefert zu sein. So begannen die Menschen, sich unbearbeitete Felle um den Körper zu legen, um sich vor Sonne, Kälte und Regen zu schützen.

Zur ersten Fertigung von Kleidung kam es vor etwa 35.000 Jahren: Körperbedeckungen wurden aus Tierhäuten, Fellteilen, Baumrinden oder Pflanzenfasern hergestellt.

Mit der Erfindung des Nähens um etwa 30.000 vor Christus konnte die Effektivität der Kleidung maßgeblich gesteigert werden. Die Kleidung konnte nun geschlossen und dem Körper angepasst werden. Als Nadeln wurden damals Fischgräten und Knochenteile benutzt. Als Fäden dienten Lederstreifen, Sehnen, Därme oder Bast, die durch ein Loch an der Spitze der „Nadel“ gezogen wurden.

Bereits in der Anfangszeit der Bekleidung dienten die Kleidungsstücke neben dem Schutz auch der Selbstdarstellung oder als Statussymbol. So wurde ein Augenmerk auf Farben, Formen und Muster gelegt. Dabei waren beispielsweise bestimmte Felle und Pelze dem erfolgreichen Jäger oder Gruppenanführer vorbehalten.

Dann – vor ca. 5.000 Jahren – wurde das Schaf als Wolllieferant entdeckt. Mithilfe der Technik des Webens, die damals schon länger bekannt war, konnte nun auch Wolle als Rohstoff für Textilien genutzt und damit die Vielfalt an Materialien vergrößert werden.

In der Antike wandelte sich der Nutzen der Kleidung allmählich: Sie war immer weniger zum Schutz vor der Witterung notwendig und wurde so hauptsächlich zum Ausdruck der gesellschaftlichen Stellung. Später, im Laufe des Mittelalters, veränderte sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Mode. Die Kirche, die zunehmend an Bedeutung gewann, forderte von den Menschen die Verhüllung ihrer Körper. So entstanden lange Ärmel und Hosenbeine sowie Hemden und Untergewänder.

Im 16. Jahrhundert war die Mode erneut großen Veränderungen unterworfen. Vor allem die Herren legten immer größeren Wert auf modische Kleidung. Aber auch im Bereich der Damenmode gab es Neuerungen: Das klassische Kleid wurde zweigeteilt und bestand fortan aus Mieder und Rock. Und auch die ärmere Schicht der Gesellschaft begann, sich phantasievoll und bunt zu kleiden.

In der heutigen Zeit dient Kleidung nicht mehr nur dem Schutz vor Witterungseinflüssen, sondern auch dem vor anderen besonderen Risiken; gemeint sind kugelsichere Westen, hitze- und feuerbeständige Bekleidung oder auch reguläre Arbeitsschutzkleidung, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Im Aufstreben befinden sich derzeit zudem sogenannte Smart Textiles. Dabei handelt es sich um intelligente Textilien mit speziellen funktionalen Eigenschaften. Sie können zum Beispiel elektrisch leitende Fasern, Mikroprozessoren oder Sensoren enthalten, die auf bestimmte Körperfunktionen reagieren und bei Bedarf entsprechende Signale oder Notrufe auslösen.

Die Entwicklung der Nähmaschinen

Mit Beginn der industriellen Revolution im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderten sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse dauerhaft. Die vermehrte Nutzung von Baumwolle und die Entwicklung von Maschinen für deren Aufbereitung und Verarbeitung waren wichtige Impulse für eine effektivere Herstellung von Kleidungsstücken. Trotzdem erfolgte das Nähen zu dieser Zeit nach wie vor von Hand.

Im Jahre 1755 erfand Charles Weisenthal eine 2-Spitzen-Nadel, bei der sich das Öhr in der Mitte befand. Damit konnte ein Stoff mithilfe von mechanischen Fingern durchstochen werden – eine komplette Maschine zur Erstellung einer Naht war allerdings noch nicht erfunden. Den Grundstein dafür legte erst 1790 eine von Thomas Saint erfundene Maschine, deren grundlegende Eigenschaften noch heute bei Nähmaschinen zu finden sind. Diese Maschine – zur Herstellung von Schuhen – arbeitete mit einer Hakennadel und einer Ahle.

Der Durchbruch für die Erfindung und Weiterentwicklung von Nähmaschinen kam mit der Erfindung Balthasar Krems‘, der im Jahr 1810 eine Maschine für das Nähen von Hüten und Mützen erfand. Diese Maschine arbeitete mit einer Nadel, bei der sich das Öhr nahe an der Spitze befand. Dies ist auch bei heutigen Nähmaschinennadeln noch der Fall. Kurz darauf, im Jahr 1814, entwickelte Josef Madersberger als Erster eine Maschine, die eine komplette Naht erzeugen konnte.

Ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung der Nähtechnologie war eine Maschine, die von Walter Hunt im Jahre 1832 erfunden wurde. Diese arbeitete mit einer Nadel mit Spitzenöhr sowie einem Schiffchen, das eine zweite Nadel führte. Im Zusammenspiel der Nadel und des Schiffchens wurde ein Stich erzeugt, der Ähnlichkeiten mit dem heutigen Steppstich aufweist.

Eine weitere „Steppstichmaschine“, die allerdings nur gerade Nähte erzeugen konnte, wurde 1845 von Eiias Howe erfunden. Dem folgte im Jahr 1851 die Erfindung der ersten wirklich funktionsfähigen Nähmaschine, entwickelt von Isaac Merritt Singer.

Mit der gesteigerten Menge und Vielfalt an Bekleidung, die heutzutage benötigt wird, hat sich natürlich auch die Nähtechnologie seither weiterentwickelt. Nähmaschinen, die bis zu 10.000 Stiche pro Minute erzeugen, oder Nähautomaten, die nach einem vorgegebenen Computerprogramm ein Muster aufnähen, gehören bereits zum Arbeitsalltag.

Die Entwicklung der Nähmaschinennadel

Als eines der wichtigsten Teile einer Nähmaschine ist es die Aufgabe der Nähmaschinennadel, die zu verbindenden Materialien zu durchstechen und den Nähfaden einzubringen. Zwischen Nadel und Greifer, beziehungsweise zwischen Nadel und Spulenfaden erfolgt so die Stichbildung, und die verschiedenen Teile können miteinander verbunden werden.

Obwohl die Nähmaschinennadel in ihrer Grundform und Funktion seit der Erfindung der ersten Nähmaschinen nahezu unverändert ist, musste auch sie an die Veränderungen und steigenden Anforderungen innerhalb der Nähtechnologie angepasst werden: So wurden Nähmaschinennadeln in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts meist in Handarbeit gefertigt, jedoch in der zweiten Hälfte bereits industriell produziert. Nach der Gründung von zahlreichen Nadelfabriken wurden immer neuere und bessere Maschinen zur Herstellung von Nähmaschinennadeln entwickelt, um die Nadeln noch präziser und funktionssicherer herstellen zu können.

Veränderung erfuhr darüber hinaus auch das Ausgangsmaterial: Wurden die Nadeln anfangs noch aus Eisen hergestellt, ging man schon bald zu Stahl – genauer Draht – über. Dies machte einen Rostschutz zwingend erforderlich, und so wurden die Nadeln mit einer Nickelschicht überzogen. Heutzutage ist es fast überall üblich, Nähmaschinennadeln mit Chrom zu beschichten, um sie noch besser vor Verschleiß und Beschädigungen zu schützen.

Chrombeschichtete Nähmaschinennadel

Aktuelle Nähmaschinennadel von Groz-Beckert

Nähmaschinennadeln von Groz-Beckert

Durch die Übernahme des Nähnadelherstellers Torrington im Jahre 1980 erweiterte Groz-Beckert sein Produktionsprogramm um Näh- und Schuhmaschinennadeln. Heute ist das Unternehmen ein führender Anbieter in diesem Bereich. Zahlreiche Innovationen und Entwicklungen innerhalb des Produktionsprozesses und an der Nadel selbst tragen ihren Teil zur Marktposition Groz-Beckerts bei.

Immer einen Schritt voraus

Groz-Beckert steht niemals still: Um Ihnen als Kunde immer den entscheidenden Wettbewerbsvorteil ermöglichen zu können, haben wir ein wachsames Auge auf die Entwicklung des Bekleidungsmarktes und der Nähtechnologie und arbeiten – auch in Zusammenarbeit mit Bekleidungsherstellern und Nähmaschinenbauern – ständig an weiteren Innovationen. Zudem ist Groz-Beckert auch im Service-Bereich immer einen wichtigen Schritt voraus: Sei es mit dem Online-Kundenportal, das Ihnen jederzeit den Zugriff auf das Groz-Beckert Know-how ermöglicht, oder dem Qualitätsmanagement INH, welches einen einheitlichen Prozess und verschiedene Hilfsmittel für den optimalen Umgang mit Nähmaschinennadeln im nähenden Betrieb zur Verfügung stellt.

Sie haben Fragen rund um den Produktbereich Sewing von Groz-Beckert? Dann stehen Ihnen die Sewing-Experten weltweit und jederzeit gerne zur Verfügung.

Um Verletzungen zu vermeiden, die durch zurückgebliebene Teile von gebrochenen Nähmaschinennadeln in Kleidungsstücken verursacht werden, wird bei der Herstellung von Bekleidung in nähenden Betrieben manchmal bis zu 2 Stunden nach Nadelbruchstücken gesucht. Mit dem von Groz-Beckert entwickelten Qualitätsmanagement INH (Ideal Needle Handling) verkürzt sich die Suchzeit um bis zu 90%.